Was die PPWR ist und wen sie betrifft
PPWR steht für Packaging and Packaging Waste Regulation, auf Deutsch die Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle, offiziell Verordnung (EU) 2025/40. Sie ist am 11. Februar 2025 in Kraft getreten. Nach einer Übergangszeit von 18 Monaten gelten ihre Vorschriften im Wesentlichen ab dem 12. August 2026.
Ein Punkt ist dabei wichtig zu verstehen: Die PPWR ist eine Verordnung und keine Richtlinie. Sie gilt also unmittelbar in allen Mitgliedstaaten, ohne dass Deutschland dafür erst ein Umsetzungsgesetz beschließen müsste. Du kannst also nicht darauf warten, dass der Bundestag noch etwas beschließt.
Betroffen ist jeder Wirtschaftsakteur, der Verpackungen oder verpackte Waren herstellt, einführt, vertreibt oder erstmals in der EU bereitstellt. Die Verordnung teilt diese Akteure in Rollen ein, und von der Rolle hängen die Pflichten ab:
- Hersteller: wer die Verpackung erstmals in der EU in Verkehr bringt, also auch der Händler, der seine Ware selbst verpackt und unter eigenem Namen verkauft.
- Importeur: wer verpackte Ware aus einem Drittland in die EU einführt, zum Beispiel beim Direktimport aus Asien.
- Vertreiber: wer Verpackungen oder verpackte Ware in der EU weiter in den Handel gibt, ohne sie selbst herzustellen oder einzuführen.
Für die meisten kleinen Onlineshops läuft es darauf hinaus, dass sie Hersteller im Sinne der Verordnung sind, weil sie ihre Versandkartons selbst befüllen und die Ware unter eigenem Namen verkaufen. Wer aus einem Drittland importiert, ist zusätzlich Importeur und trägt dann mehr Verantwortung, weil die Nachweise aus dem Ausland kommen.
Was ab dem 12. August 2026 gilt
Zum Stichtag greift ein Bündel an Pflichten. Für kleine Händler sind vor allem diese relevant:
- Konformitätsbewertung und EU-Konformitätserklärung: Für Verpackungen muss nachgewiesen sein, dass sie die Anforderungen der Verordnung erfüllen. Die Erklärung stellt derjenige aus, der die Verpackung in Verkehr bringt.
- Technische Dokumentation: Zu jeder Verpackung gehören Unterlagen, aus denen die Konformität hervorgeht. Sie müssen auf Nachfrage vorgelegt werden können.
- Kennzeichnungspflichten: Verpackungen müssen Angaben zu Material und Entsorgung tragen, damit Verbraucher richtig trennen können.
- Rückverfolgbarkeit: Wirtschaftsakteure müssen dokumentieren, von wem sie Verpackungen bezogen und an wen sie geliefert haben.
- Stoffbeschränkungen: Die Summe der Konzentrationen von Blei, Cadmium, Quecksilber und sechswertigem Chrom darf 100 Milligramm pro Kilogramm nicht überschreiten. Für Verpackungen mit Lebensmittelkontakt gelten zusätzlich Grenzwerte für PFAS, also für per- und polyfluorierte Chemikalien.
Die praktische Übersetzung für einen kleinen Betrieb: Der weitaus größte Teil dieser Nachweise kommt nicht von dir, sondern von dem Unternehmen, das dir die Kartons, Folien, Polster und Etiketten verkauft. Deine Aufgabe ist es, diese Unterlagen anzufordern, abzulegen und griffbereit zu haben.
Gilt das auch für mein kleines Unternehmen?
Ja. Die PPWR kennt keine allgemeine Ausnahme nach Umsatz oder Unternehmensgröße, wie du sie etwa von der Kleinunternehmerregelung im Steuerrecht kennst. Wer Verpackungen in Verkehr bringt, ist im Anwendungsbereich, ob mit drei oder dreihundert Bestellungen im Monat.
Es gibt allerdings punktuelle Erleichterungen. Genannt werden unter anderem Endvertreiber mit höchstens 100 Quadratmetern Verkaufsfläche sowie Wirtschaftsakteure, die weniger als 1.000 Kilogramm Verpackungen pro Mitgliedstaat und Jahr in Verkehr bringen. Kleinstunternehmen sind außerdem von den Wiederverwendungszielen ausgenommen. Wichtig dabei: Diese Erleichterungen betreffen einzelne Pflichten, sie befreien nicht von der Verordnung insgesamt. Anforderungen wie Recyclingfähigkeit, Rezyklatanteile und Kennzeichnung gelten auch für kleine Unternehmen.
Was mit LUCID und dem Verpackungsgesetz passiert
Das ist die Frage, bei der die meisten durcheinanderkommen, deshalb hier klar getrennt: Das deutsche Verpackungsgesetz bleibt bestehen. Es wird an einzelnen Stellen an die europäische Ebene angepasst, aber es verschwindet nicht. Das heißt für dich konkret:
- Die Registrierung im Verpackungsregister LUCID bei der Zentralen Stelle Verpackungsregister bleibt Pflicht.
- Die Systembeteiligung, also die Lizenzierung deiner Verkaufsverpackungen bei einem dualen System, bleibt ebenfalls Pflicht.
- Die PPWR ersetzt diese Pflichten nicht. Sie kommt als zusätzliche europäische Ebene dazu.
Wer bisher sauber bei LUCID registriert und lizenziert ist, hat also eine gute Grundlage, ist aber mit der PPWR noch nicht automatisch fertig. Umgekehrt gilt: Wer die deutschen Pflichten bisher nicht erfüllt hat, sollte das zuerst nachholen, bevor er sich mit der europäischen Ebene beschäftigt.
Was in späteren Stufen kommt
Die PPWR ist in Stufen angelegt. Die Anforderungen, die für viele Händler tatsächlich einen Wechsel der Verpackung bedeuten, greifen erst später:
| Datum | Was dann gilt |
|---|---|
| 11. Februar 2025 | Die Verordnung tritt in Kraft, es beginnt die Übergangszeit. |
| 12. August 2026 | Die Verordnung gilt im Wesentlichen: Rollen, Konformität, Dokumentation, Kennzeichnung, Stoffgrenzwerte. |
| 1. Januar 2030 | Leerraum bei gruppierten Verpackungen, Transport- und Versandverpackungen höchstens 50 Prozent. Dazu verschärfte Anforderungen an die Recyclingfähigkeit und Mindestanteile an recyceltem Kunststoff. |
Zwischen diesen Terminen liegen weitere Zwischenschritte für einzelne Verpackungsarten. Für die Planung im kleinen Betrieb sind aber vor allem zwei Daten wichtig: der 12. August 2026 für die Unterlagen und der 1. Januar 2030 für das Material. Die Leerraumregel ist dabei die, die den Versandalltag am deutlichsten verändert, denn große Kartons mit viel Luft und Füllmaterial werden dann zum Problem. Wer ohnehin über Verpackungsgrößen nachdenkt, sollte das gleich mitplanen.
Deine Schritte bis zum 12. August
Der Aufwand ist überschaubar, wenn du strukturiert vorgehst:
- Rolle klären: Bist du Hersteller, Importeur, Vertreiber oder mehreres gleichzeitig? Halte das Ergebnis kurz schriftlich fest.
- Verpackungen auflisten: Welche Kartons, Folien, Polster, Klebebänder und Etiketten setzt du ein und von wem beziehst du sie?
- Unterlagen anfordern: Frag bei jedem Lieferanten die Konformitätserklärung und die technische Dokumentation an. Seriöse Anbieter haben das vorbereitet.
- LUCID prüfen: Ist deine Registrierung aktuell und sind die gemeldeten Mengen realistisch?
- Ablage einrichten: Ein fester Ort für die Nachweise, damit du bei einer Nachfrage nicht suchen musst.
- Wiedervorlage setzen: Ein Termin für 2029, um die Umstellung auf die 2030er Anforderungen rechtzeitig anzugehen.
Wie du solche wiederkehrenden Pflichten insgesamt in den Griff bekommst, zeigt dir der Compliance-Fristenkalender fürs Jahr. Und wenn mehrere Personen im Betrieb daran mitarbeiten, hilft der Beitrag zu Aufgaben und Fristen im Team.
Ein letzter Hinweis für alle mit Onlineshop: Die Verpackung ist nur einer von mehreren Punkten, an denen der Versandhandel besonders reguliert ist. Wenn du gerade ohnehin aufräumst, lohnt sich ein Blick auf das Widerrufsrecht im Onlinehandel, dort hat sich zuletzt ebenfalls einiges geändert.