● Geschäftsideen

Amazon FBA starten: Das Geschäftsmodell realistisch erklärt

FBA steht für "Fulfillment by Amazon". Das ist im Grunde genommen ein Amazon-Programm, bei dem du eigene Produkte über Amazon verkaufst und Amazon die ganze Logistik übernimmt: Lagerung, Versand und Retouren (also die Rücksendungen von Kunden). Beispiel: Ein Kunde bestellt deine Trinkflasche, und Amazon verpackt und verschickt sie aus seinem Lager. Das Modell hat echte Stärken, vor allem den Zugang zu Millionen Kaufinteressenten. Von allen bekannten Online-Geschäftsmodellen braucht es aber auch am meisten Startgeld. Hier erfährst du, wie FBA funktioniert, was der Start wirklich kostet und welche Risiken du kennen solltest.

Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Prinzip: Du kaufst Ware ein und schickst sie an Amazon. Amazon lagert sie, verschickt sie und kümmert sich um die Rücksendungen. Dafür zahlst du Gebühren.
  • Kapital: Anders als bei Dropshipping (Verkauf, ohne selbst Ware zu lagern) zahlst du die Ware im Voraus. Rechne mit mehreren tausend Euro netto Startgeld (netto heißt: ohne Umsatzsteuer).
  • Pflichten: Gewerbe, steuerliche Erfassung, Produktsicherheit, Verpackungsgesetz. Als Importeur (also als jemand, der Ware aus dem Ausland einführt) trägst du dieselben Pflichten wie ein Hersteller.
  • Risiko: Dein Geld steckt fest in Ware, dazu kommen Gebühren und die Abhängigkeit von einem einzigen Marktplatz. Das sind die größten Schwachstellen des Modells.

Was ist Amazon FBA?

Bei FBA ("Versand durch Amazon") verkaufst du als eigener Händler über den Amazon-Marktplatz. Es gibt auch den anderen Weg, FBM ("Versand durch den Händler"). Das heißt: Du lagerst und verschickst selbst. Bei FBA schickst du deine Ware dagegen vorab in ein Amazon-Lager. Bestellt ein Kunde, verpackt und verschickt Amazon das Produkt. Amazon kümmert sich auch um die Rücksendungen und einen Teil des Kundenservice. Deine Produkte sind dann Prime-fähig. Das heißt, sie werden über den schnellen Prime-Versand angeboten. Beispiel: Prime-Kunden bekommen deine Ware oft schon am nächsten Tag. Das macht dein Produkt sichtbarer, und mehr Leute kaufen es.

Die meisten FBA-Händler arbeiten nach dem Private-Label-Prinzip. Das ist im Grunde genommen ein fertiges Produkt, das du unter deiner eigenen Marke verkaufst. Beispiel: Du lässt eine Trinkflasche bei einem Hersteller (oft in Asien, immer öfter auch in Europa) fertigen, klebst dein Logo darauf und verbesserst kleine Details. Andere Wege sind der Weiterverkauf von Markenware (das nennt man Reselling) oder selbst gemachte Produkte (Handmade).

So funktioniert es Schritt für Schritt

  1. Produktrecherche: Der wichtigste Schritt. Du suchst ein Produkt, das nachweislich gefragt ist, wenig Konkurrenz hat und genug Abstand zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis lässt. Dafür gibt es spezielle Recherche-Programme.
  2. Lieferant und Muster: Hersteller anschreiben, Muster bestellen und vergleichen, Preise und Mindestbestellmengen aushandeln.
  3. Gewerbe, Konten und Marke: Gewerbe anmelden, Verkäuferkonto einrichten und, wenn du magst, deine Marke anmelden und eintragen lassen.
  4. Erste Bestellung und Import: Ware produzieren lassen, Qualität prüfen (am besten schon vor dem Verschiffen), Zoll und Einfuhrumsatzsteuer bezahlen (das ist die Umsatzsteuer auf Waren, die du aus dem Ausland einführst) und die Ware ins Amazon-Lager schicken.
  5. Listing erstellen: Das Listing ist deine Verkaufsseite bei Amazon. Beispiel: Titel, Bilder, kurze Stichpunkte und Beschreibung deines Produkts. Gute Produktfotos sind hier kein Extra, sondern entscheiden über den Kauf.
  6. Launch und Werbung: Ohne bezahlte Anzeigen (Amazon PPC, das heißt Werbung, bei der du pro Klick zahlst) verkauft ein neues Produkt am Anfang kaum etwas. Also Werbekampagnen starten, die Zahlen beobachten und Preise und Gebote anpassen.
  7. Nachbestellen und ausbauen: Behalte deinen Lagerbestand im Blick. Ist ein Produkt ausverkauft (Out-of-Stock), rutschst du in der Amazon-Suche nach unten. Sammle außerdem Bewertungen und erweitere nach und nach dein Sortiment.

Gewerbe, Steuern und rechtliche Pflichten

Gewerbe und Finanzamt

FBA ist normaler Handel und damit ein Gewerbe. Die Gewerbeanmeldung und der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung sind also Pflicht. Für das Verkäuferkonto brauchst du meist deine Steuernummer oder deine USt-IdNr (die Umsatzsteuer-Nummer für Geschäfte innerhalb der EU). Marktplätze wie Amazon müssen die Daten ihrer Händler prüfen und die Umsätze ans Finanzamt melden.

Umsatzsteuer

Die Kleinunternehmerregelung ist eine Sonderregel für kleine Firmen. Das heißt im Grunde genommen: Du schlägst keine Umsatzsteuer auf deine Preise, bekommst dafür aber auch keine zurück. Bei FBA ist das oft unpraktisch. Denn beim Import zahlst du Einfuhrumsatzsteuer, und die holst du dir nur als normal besteuerte Firma zurück (als sogenannte Vorsteuer, also die Umsatzsteuer, die du selbst beim Einkaufen zahlst und dir vom Finanzamt wiederholst). Nutzt du Amazons Lager in mehreren EU-Ländern, können außerdem Steuerpflichten in anderen EU-Ländern dazukommen. Nimm dir für dieses Thema von Anfang an einen Steuerberater, der sich mit Online-Handel auskennt.

Produktverantwortung

Wer Ware aus Ländern außerhalb der EU einführt und unter eigener Marke verkauft, gilt rechtlich als Hersteller oder Importeur. Damit hast du mehrere Pflichten. Du musst für die Produktsicherheit sorgen. Je nach Produkt brauchst du das CE-Zeichen (ein Zeichen, das bestätigt, dass das Produkt die EU-Sicherheitsregeln erfüllt). Das Produkt muss richtig gekennzeichnet sein. Und du musst dich nach dem Verpackungsgesetz anmelden, bei Elektrogeräten zusätzlich nach dem Elektrogesetz. Diese Punkte vor der ersten Bestellung zu klären, ist günstiger, als später eine ganze Lieferung wegwerfen zu müssen.

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Produkthaftung ist bei FBA kein Kleingedrucktes: Wenn dein Produkt Sicherheitsregeln verletzt oder Rechte anderer verletzt (etwa Patente, Marken oder Designs), stehst du dafür gerade. Eine Betriebshaftpflicht- oder Produkthaftpflichtversicherung gehört deshalb zur Grundausstattung, siehe auch Versicherungen für Gründer.

Startkapital und laufende Kosten

Von den gängigen Einsteiger-Modellen braucht FBA am meisten Startgeld. Das sind die typischen Posten (alle Beträge netto, also ohne Umsatzsteuer, und nur als grobe Größenordnung):

PostenEinordnung
Erste Warenbestellungje nach Produkt und Mindestmenge oft der größte Einzelposten, häufig mehrere tausend Euro
Fracht, Zoll, Einfuhrumsatzsteuerhängt von Menge und Transportweg ab (per Schiff deutlich günstiger als per Flugzeug)
Professionelles Verkäuferkontomonatliche Grundgebühr von rund 39 Euro
Verkaufsgebührein Prozentsatz pro Verkauf, je nach Produktart, oft um die 15 Prozent
FBA-GebührenGebühren für Versand und Lager, pro Stück und Größe, je nach Jahreszeit unterschiedlich
Werbung (PPC)laufend, gerade am Anfang ein wichtiger Kostenblock
Fotos, Tools, Prüfungen, Versicherungeinmalig und laufend, wird oft unterschätzt

Die genauen Gebühren ändern sich immer wieder. Verlass dich deshalb nur auf die aktuelle Gebührenübersicht in deinem Verkäuferkonto. Wichtig ist die Rechnung pro Stück: Vom Verkaufspreis gehen Verkaufsgebühr, FBA-Gebühren, ein Anteil der Werbekosten, der Einkauf und die Fracht ab. Was übrig bleibt, ist oft weniger, als Einsteiger denken. Rechne das also vor der ersten Bestellung durch, nicht erst danach.

Die Risiken im Detail

  • Gebundenes Kapital: Dein Geld steckt in Ware. Verkauft sie sich nicht, zahlst du Gebühren für langes Lagern oder wirfst sie mit Verlust weg.
  • Abhängigkeit von Amazon: Amazon kann deine Verkaufsseiten oder dein Konto sperren, zum Beispiel bei Beschwerden oder wenn etwas geprüft wird. Vieles lässt sich klären, aber in der Zwischenzeit kommt kein Geld herein.
  • Konkurrenz und Preisdruck: Erfolgreiche Produkte ziehen Nachahmer an, oft mit niedrigeren Preisen.
  • Neue Gebühren und Regeln: Preise und Regeln ändern sich laufend und können eine knapp gerechnete Kalkulation kippen.

Vor- und Nachteile ehrlich abgewogen

VorteileNachteile
Zugang zu Millionen kaufbereiter Kunden ab dem ersten TagViel Startgeld nötig, weil du die Ware vorab bezahlst
Lagerung, Versand und Rücksendungen übernimmt AmazonLaufende Gebühren fressen einen großen Teil des Gewinns
Prime-Versand macht dich sichtbarer, und mehr Leute kaufenStarke Abhängigkeit von einem einzigen Marktplatz
Echtes Handelsgeschäft mit eigener Marke, das wachsen kannVolle Hersteller- und Importeurspflichten bei eigenen Marken
Nebenberuflich machbar, weil Amazon die Logistik übernimmtViel Rechercheaufwand, und falsche Entscheidungen kosten echtes Geld

Für wen eignet sich Amazon FBA?

FBA passt zu dir, wenn du ein echtes Produktgeschäft mit eigener Marke aufbauen willst, Startgeld mitbringst und bereit bist, dich in Kalkulation, Import und Produktrecht einzuarbeiten. Es ist die Königsklasse unter den Einsteiger-Modellen: die größten Chancen, aber auch das größte finanzielle Risiko.

Wer noch kein Geld übrig hat, sammelt oft besser zuerst mit Dropshipping, Print on Demand oder einer Dienstleistung Erfahrung im Online-Handel. Und wer bei Amazon erfolgreich ist, baut mit der Zeit sinnvollerweise ein zweites Standbein auf, zum Beispiel einen eigenen Shop, um weniger von Amazon abhängig zu sein. Den direkten Vergleich aller Modelle findest du im Geschäftsideen-Vergleich.

Vor der ersten Warenbestellung sollte stehen: eine vollständige Rechnung pro Stück, geklärte Pflichten zu Produktsicherheit und Kennzeichnung, die Anmeldung nach Verpackungsgesetz, ein Steuerberater mit Erfahrung im Online-Handel und etwas Geld auf der Seite für die zweite Bestellung.
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Checkliste: Amazon FBA vorbereitet starten

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Häufige Fragen

Wie viel Startkapital brauche ich für Amazon FBA?
Deutlich mehr als bei Dropshipping oder Print on Demand, weil du die Ware vorab bezahlst. Je nach Produkt sind für die erste Bestellung, Produktfotos, Kennzeichnungen und Werbung meist mehrere tausend Euro netto (also ohne Umsatzsteuer) nötig. Wer mit viel weniger startet, kann kaum sinnvolle Mengen einkaufen.
Brauche ich für Amazon FBA ein Gewerbe?
Ja. Der Handel über Amazon ist eine gewerbliche Tätigkeit. Du meldest ein Gewerbe an, füllst den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung aus und hinterlegst deine Steuerdaten im Verkäuferkonto. Amazon prüft Händlerkonten im Rahmen gesetzlicher Vorgaben recht genau.
Was kostet Amazon FBA laufend?
Es fallen mehrere Gebühren an: die monatliche Gebühr für das professionelle Verkäuferkonto, eine Verkaufsgebühr als Prozentsatz je nach Produktart und die FBA-Gebühren für Lagerung und Versand pro Stück. Dazu kommen meist Werbekosten. Die aktuellen Beträge stehen in der Gebührenübersicht von Amazon.
Kann ich Amazon FBA nebenberuflich betreiben?
Ja, viele starten nebenberuflich, weil Amazon Lagerung, Versand und einen Teil des Kundenservice übernimmt. Produktrecherche, Einkauf, Listing-Pflege und Werbung kosten trotzdem regelmäßig Zeit. Kläre Gewerbeanmeldung, Steuern und die Information an deinen Arbeitgeber.
Welche Risiken hat Amazon FBA?
Die größten Risiken: Dein Geld steckt in unverkaufter Ware fest, der Preiskampf ist hart, die Gebühren steigen, und du hängst von einem einzigen Marktplatz ab. Amazon kann Angebote oder Konten sperren, auch vorübergehend während einer Prüfung. Für Produkthaftung und Kennzeichnung bist zudem du als Importeur verantwortlich.

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