Was ist Dropshipping genau?
Dropshipping (auf Deutsch auch Streckengeschäft genannt) ist eine Form des Onlinehandels, bei der du als Händler die Ware nicht selbst bevorratest. Du betreibst den Shop, kümmerst dich um Marketing, Bestellabwicklung und Kundenservice. Die Lagerung und der Versand liegen beim Großhändler oder Hersteller, der das Paket direkt an deinen Kunden schickt.
Wichtig für das Verständnis: Rechtlich bist du der Verkäufer. Der Kaufvertrag kommt zwischen dir und deinem Kunden zustande. Dein Lieferant ist nur dein Erfüllungsgehilfe. Erfüllungsgehilfe heißt im Grunde genommen: ein Helfer, der für dich eine Aufgabe erledigt, für den aber du geradestehst. Das bedeutet, dass Gewährleistung, Widerrufsrecht und Produkthaftung bei dir liegen, auch wenn du die Ware nie in der Hand hattest. Gewährleistung ist im Grunde genommen die Pflicht des Verkäufers, für kaputte oder fehlerhafte Ware geradezustehen, also Reparatur oder Ersatz. Das Widerrufsrecht ist das Recht eines Privatkunden, einen Online-Kauf innerhalb von 14 Tagen ohne Grund rückgängig zu machen.
So funktioniert es Schritt für Schritt
Der typische Ablauf einer Dropshipping-Bestellung sieht so aus:
- Kunde bestellt bei dir: Ein Kunde kauft ein Produkt in deinem Onlineshop und zahlt den Verkaufspreis an dich.
- Du bestellst beim Lieferanten: Du (oder eine automatische Schnittstelle) leitest die Bestellung an deinen Lieferanten weiter und zahlst den Einkaufspreis.
- Lieferant versendet direkt: Der Lieferant verpackt und verschickt die Ware direkt an die Adresse deines Kunden, idealerweise neutral oder mit deinem Absender.
- Du betreust den Kunden: Rückfragen, Retouren, Reklamationen und Widerrufe laufen über dich.
Deine Marge ist im Grunde genommen der Gewinn, der dir pro Verkauf übrig bleibt. Beispiel: Du verkaufst für 30 Euro, kaufst für 18 Euro ein, dann bleiben 12 Euro. Davon gehen dann noch Zahlungsgebühren, Werbekosten, Kosten für Rücksendungen und Steuern ab.
Beim Aufbau des Geschäfts gehst du in der Regel so vor: Nische und Zielgruppe festlegen, Lieferanten suchen und testen (Musterbestellungen!), Shop aufsetzen (etwa mit einem Shopsystem deiner Wahl), Rechtstexte einbinden, Zahlungsarten anbinden und dann schrittweise Marketing aufbauen, meist über bezahlte Anzeigen, Social Media oder Suchmaschinenoptimierung.
Was du zum Start brauchst
Gewerbe und Finanzamt
Dropshipping ist eine gewerbliche Tätigkeit. Du musst also ein Gewerbe anmelden, in der Regel schon vor dem ersten Verkauf. Anschließend füllst du den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung über ELSTER aus, und zwar innerhalb eines Monats nach dem Start. ELSTER ist im Grunde genommen das kostenlose Online-Portal des Finanzamts, über das du deine Steuersachen abgibst.
Steuern
Auf deine Gewinne zahlst du Einkommensteuer, also die Steuer auf dein Einkommen. Ist dein Gewerbegewinn hoch genug (über einem bestimmten Freibetrag), kommt noch die Gewerbesteuer dazu. Ein Freibetrag ist im Grunde genommen ein Betrag, bis zu dem keine Steuer anfällt. Bei der Umsatzsteuer kannst du unter den geltenden Umsatzgrenzen die Kleinunternehmerregelung nutzen. Die Umsatzsteuer (auch Mehrwertsteuer) ist im Grunde genommen die Steuer, die auf fast jeden Verkauf draufkommt und an den Staat geht. Die Kleinunternehmerregelung ist eine Sonderregel für kleine Firmen: Du schlägst keine Umsatzsteuer auf, bekommst dafür aber auch keine zurück. Vorsicht: Beim Dropshipping mit Lieferanten im Ausland können sogenannte Reihengeschäfte entstehen. Ein Reihengeschäft ist im Grunde genommen ein Verkauf, bei dem eine Ware über mehrere Stationen läuft, aber direkt vom ersten zum letzten geliefert wird. Die Steuer ist dabei kompliziert. Spätestens wenn du über die Grenze einkaufst oder verkaufst, solltest du das mit einem Steuerberater klären.
Ausstattung
Praktisch brauchst du: ein Shopsystem mit Domain, rechtssichere Texte (Impressum, Datenschutzerklärung, AGB, Widerrufsbelehrung), ein Geschäftskonto, einen Zahlungsdienstleister und mindestens einen getesteten Lieferanten. Dazu kommt ein Werkzeug für korrekte Rechnungen.
Kosten und Margen realistisch betrachtet
Der große Reiz des Modells: Du kaufst keine Ware auf Vorrat und brauchst kein Lager. Die fixen Startkosten sind daher überschaubar. Typische Posten (alle Preise netto):
| Posten | Größenordnung |
|---|---|
| Gewerbeanmeldung | einmalig, je nach Kommune meist im niedrigen zweistelligen Eurobereich |
| Shopsystem + Domain | laufend, je nach Anbieter ab ca. 20 bis 50 Euro im Monat |
| Rechtstexte (Schutzpakete/Anwalt) | ab ca. 10 bis 30 Euro im Monat oder einmalig mehr |
| Marketing (Anzeigen) | der größte Posten, realistisch mehrere hundert Euro im Monat für den Aufbau |
| Musterbestellungen, Tools | variabel |
Die Marge pro Verkauf ist beim Dropshipping oft schmaler als im klassischen Handel, weil der Lieferant für Lagerung und Versand mitverdient und weil viele Händler die gleichen Produkte anbieten. Rechne ehrlich: Von der Rohmarge gehen Werbekosten pro Bestellung, Zahlungsgebühren, Retouren und Steuern ab. Wer nur über den Preis konkurriert, verliert gegen größere Anbieter. Erfolgversprechender sind Nischenprodukte, gute Produkttexte und ein Service, der besser ist als der Durchschnitt.
Rechtliche Pflichten im Überblick
Dropshipping ist rechtlich normaler Onlinehandel. Das heißt unter anderem:
- Widerrufsrecht: Verbraucher können in der Regel 14 Tage widerrufen. Details und die aktuellen Pflichten (inklusive Widerrufsbutton) findest du im Artikel zum Widerrufsrecht im Onlinehandel.
- Impressum und Datenschutz: Impressumspflicht und Datenschutzerklärung gelten ab dem ersten Tag.
- Produktsicherheit und Kennzeichnung: Wer Ware aus Ländern außerhalb der EU verkauft, kann rechtlich wie ein Hersteller oder Importeur behandelt werden, mit Pflichten etwa zur CE-Kennzeichnung und zur Produktsicherheit. Die CE-Kennzeichnung ist im Grunde genommen ein Zeichen auf dem Produkt, das bestätigt: Es hält die EU-Sicherheitsregeln ein. Das solltest du vor der Wahl deines Sortiments prüfen.
- Verpackungsgesetz: Auch Dropshipper müssen sich in der Regel um ihre Verpackungen kümmern, also sie anmelden und dafür eine Gebühr zahlen (das nennt sich Lizenzierung). Wer genau zuständig ist, hängt von der Absprache mit dem Lieferanten ab.
- Lieferzeitangaben: Du musst ehrliche Lieferzeiten angeben. Wochenlange Lieferzeiten aus Fernost ohne klaren Hinweis sind ein häufiger Grund für eine Abmahnung. Eine Abmahnung ist im Grunde genommen eine kostenpflichtige Aufforderung, einen Rechtsverstoß sofort abzustellen.
Vor- und Nachteile ehrlich abgewogen
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Kein Lager, keine Warenvorfinanzierung, geringes Kapitalrisiko | Schmale Margen, weil Lieferant und Werbekosten mitverdienen |
| Schneller, ortsunabhängiger Start möglich | Große Konkurrenz, oft identische Produkte bei vielen Händlern |
| Sortiment lässt sich ohne Restposten-Risiko testen und wechseln | Keine Kontrolle über Lagerbestand, Versandqualität und Lieferzeit |
| Gut nebenberuflich und mit kleinem Team machbar | Volle rechtliche Verantwortung trotz fremder Logistik |
| Skalierbar, wenn Nische und Marketing funktionieren | Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten und Werbeplattformen |
Für wen eignet sich Dropshipping?
Dropshipping ist ein guter Einstieg in den E-Commerce, wenn du mit wenig Kapital testen willst, ob eine Produktidee funktioniert, und bereit bist, in Marketing und Kundenservice echte Arbeit zu stecken. Es ist kein passives Einkommen: Ohne kontinuierliche Pflege von Shop, Anzeigen und Lieferantenbeziehungen passiert nichts.
Realistisch betrachtet erwirtschaften viele Dropshipping-Shops anfangs nur kleine Gewinne, und ein Teil scheitert an schlechten Lieferanten oder zu teuren Anzeigen. Wer aber eine Nische findet, europäische Lieferanten testet und die rechtlichen Grundlagen sauber aufsetzt, kann sich Schritt für Schritt ein tragfähiges Handelsgeschäft aufbauen, aus dem später auch ein eigenes Lager oder eine eigene Marke werden kann. Einen Überblick über Alternativen findest du im Vergleich der Geschäftsmodelle.