Vorteile und Nachteile
Der große Vorteil liegt auf der Hand: Dein Haupteinkommen bleibt bestehen, während du deine Idee in einer ruhigen Testphase ausprobierst. Das minimiert dein finanzielles Risiko erheblich. Läuft es gut, kannst du später hauptberuflich durchstarten. Läuft es nicht, hast du dich nicht ruiniert.
Die Kehrseite ist der Aufwand. Nebenberufliche Selbstständigkeit kostet Zeit und Energie, oft in den Abendstunden und am Wochenende. Es bleibt weniger Zeit für das Unternehmen selbst, und manche Kunden oder Lieferanten nehmen einen Nebenerwerb weniger ernst als einen Vollzeitbetrieb.
Nebentätigkeit richtig anmelden
Gewerbe oder freiberufliche Tätigkeit?
Der erste Schritt ist die richtige Einordnung. Übst du eine gewerbliche Tätigkeit aus, meldest du sie beim Gewerbeamt an. Bist du Freiberufler, zum Beispiel als Texterin, Programmierer oder Beraterin, meldest du dich direkt beim Finanzamt. Die genaue Abgrenzung ist wichtig, weil sie über Gewerbesteuer und IHK-Mitgliedschaft entscheidet.
Der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung
Unabhängig davon musst du deine Tätigkeit dem Finanzamt mitteilen. Seit dem 01.01.2021 geschieht das aktiv und elektronisch über den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung in ELSTER, und zwar innerhalb eines Monats nach Aufnahme der Tätigkeit.
Dein Arbeitgeber und die Nebentätigkeit
Als Angestellter solltest du deinen Arbeitgeber über die geplante Selbstständigkeit informieren. In der Regel ist die Zustimmung eine Formsache, solange drei Bedingungen erfüllt sind: Deine Nebentätigkeit steht nicht in Konkurrenz zum Arbeitgeber, deine Haupttätigkeit leidet nicht darunter, und du nutzt keine Betriebsdaten oder Betriebsmittel deines Arbeitgebers.
Steuern und Finanzen
Einkommensteuer
Dein Gewinn aus der nebenberuflichen Selbstständigkeit unterliegt der Einkommensteuer und kommt zu deinem Gehalt hinzu. Eine bewährte Faustregel: Lege rund 30 Prozent deines Gewinns für die spätere Steuer zurück, dann erlebst du bei der Steuererklärung keine böse Überraschung.
Umsatzsteuer und Kleinunternehmerregelung
Weist du Umsatzsteuer aus, musst du regelmäßig eine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben, in den ersten beiden Jahren häufig monatlich. Bleibst du unter den Grenzen der Kleinunternehmerregelung, kannst du darauf verzichten: Dann weist du keine Umsatzsteuer aus und kannst im Gegenzug keinen Vorsteuerabzug geltend machen. Gerade beim nebenberuflichen Start mit überschaubaren Umsätzen ist das oft die einfachere Wahl.
Förderungen und Zuschüsse
Für nebenberufliche Gründungen gibt es weniger Fördermittel als für hauptberufliche. KfW-Gründerkredite lassen sich aber in Anspruch nehmen, wenn du eine spätere hauptberufliche Selbstständigkeit anstrebst.
Sozialversicherung
Das ist der Bereich, in dem die meisten Nachzahlungen entstehen. Nimm ihn ernst.
- Krankenversicherung: Bleibt deine selbstständige Tätigkeit im Umfang und Einkommen unter bestimmten Grenzen, läuft deine gesetzliche Krankenversicherung weiter über den Hauptjob. Überwiegt die Selbstständigkeit, brauchst du eine freiwillige gesetzliche Krankenversicherung. Ein Statusfeststellungsverfahren bei der Krankenkasse schafft Klarheit.
- Rentenversicherung: Manche Tätigkeiten lösen eine Rentenversicherungspflicht aus, etwa bei Lehrern, Trainern oder Physiotherapeuten. Lass dich im Zweifel von der Deutschen Rentenversicherung beraten.
- Unfallversicherung: Prüfe, ob für dich eine Beitragspflicht bei der zuständigen Berufsgenossenschaft (DGUV) besteht.
Scheinselbstständigkeit vermeiden
Wer nebenberuflich selbstständig ist, sollte die Scheinselbstständigkeit nicht unterschätzen. Kritisch wird es, wenn typische Merkmale zusammenkommen:
- Du hast nur einen einzigen Auftraggeber.
- Du erledigst dort die gleichen Aufgaben wie in deinem Hauptjob.
- Fünf Sechstel deines Umsatzes stammen von einem Auftraggeber.
- Du arbeitest im Betrieb des Auftraggebers und kannst nicht frei über Aufträge und Arbeitszeiten entscheiden.
Rechtsform und erste Schritte
Die meisten nebenberuflich Selbstständigen starten als Einzelunternehmen: einfach, günstig, schnell. Der Preis dafür ist die unbegrenzte Haftung mit dem Privatvermögen. Gründet ihr zu mehreren, ist die GbR eine naheliegende Wahl, mit den gleichen Haftungsfolgen. Eine UG oder GmbH beschränkt die Haftung, bringt aber mehr Aufwand und Kosten mit sich, was sich nebenberuflich oft erst später lohnt.
