Warum die Rechtsform so wichtig ist
Die Rechtsform ist kein reiner Formalismus. Sie entscheidet vor allem über drei Dinge: Mit welchem Vermögen du für Schulden geradestehst (Haftung), wie viel die Gründung und der laufende Betrieb kosten und wie aufwendig deine Buchführung ist. Es gibt keine Rechtsform, die für alle passt. Die richtige hängt von deinem Risiko, der Zahl der Gründer und deinen Wachstumsplänen ab.
Einzelunternehmen: der einfache Start
Das Einzelunternehmen ist die unkomplizierteste Form für Einzelgründer. Du meldest dein Gewerbe an oder, als Freiberufler, dich direkt beim Finanzamt. Ein Mindestkapital ist nicht nötig.
- Gründung: einfach, Kosten für die Gewerbeanmeldung meist 20 bis 60 Euro je nach Gemeinde.
- Haftung: unbeschränkt, also auch mit deinem Privatvermögen.
- Steuern: Einkommensteuer, ab 24.500 Euro Gewinn Gewerbesteuer, Umsatzsteuer (wobei die Kleinunternehmerregelung greifen kann).
- Buchführung: die einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung reicht, solange Umsatz unter 800.000 Euro und Gewinn unter 80.000 Euro bleiben.
GbR: gemeinsam gründen
Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts entsteht, sobald sich zwei oder mehr Personen zu einem gemeinsamen Zweck zusammentun. Sie ist die naheliegende Form für Teamgründungen ohne großen Aufwand.
- Gründung: formlos möglich, kein Mindestkapital. Jeder Gesellschafter meldet das Gewerbe an.
- Haftung: persönlich und gesamtschuldnerisch. Jeder haftet mit seinem Privatvermögen, auch für die Handlungen der Partner.
- Steuern: Einkommensteuer der einzelnen Gesellschafter, ab 24.500 Euro Gewinn Gewerbesteuer.
- Buchführung: die einfache EÜR genügt innerhalb derselben Grenzen wie beim Einzelunternehmen.
UG: die Mini-GmbH
Die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) ist rechtlich eine GmbH-Variante mit niedriger Einstiegshürde. Details findest du unter UG gründen.
- Gründung: notariell beurkundeter Gesellschaftsvertrag und Eintrag ins Handelsregister. Stammkapital ab 1 Euro, dafür müssen 25 Prozent des Jahresgewinns zurückgelegt werden, bis 25.000 Euro erreicht sind. Dauer etwa zwei bis sechs Wochen.
- Haftung: beschränkt auf das Gesellschaftsvermögen.
- Steuern: Körperschaftsteuer (15 Prozent), Gewerbesteuer und Umsatzsteuer.
- Buchführung: doppelte Buchführung und Bilanzierungspflicht.
GmbH: Sicherheit und Prestige
Die GmbH ist die bekannteste Kapitalgesellschaft und genießt hohes Ansehen. Den ganzen Ablauf beschreiben wir unter GmbH gründen.
- Gründung: notariell beurkundeter Gesellschaftsvertrag und Handelsregistereintrag. Stammkapital 25.000 Euro, davon mindestens 12.500 Euro bei Gründung eingezahlt. Dauer etwa vier bis acht Wochen.
- Haftung: beschränkt auf das Gesellschaftsvermögen.
- Steuern: Körperschaftsteuer (15 Prozent), Gewerbesteuer und Umsatzsteuer.
- Buchführung: doppelte Buchführung und Bilanzierungspflicht.
Alle Rechtsformen im Vergleich
| Merkmal | Einzelunternehmen | GbR | UG | GmbH |
|---|---|---|---|---|
| Gründer | 1 | ab 2 | ab 1 | ab 1 |
| Mindestkapital | keins | keins | ab 1 Euro | 25.000 Euro |
| Haftung | unbeschränkt | unbeschränkt | beschränkt | beschränkt |
| Notar nötig | nein | nein | ja | ja |
| Buchführung | EÜR | EÜR | Bilanz | Bilanz |
Häufige Fehler bei der Wahl
- Haftung unterschätzen: Viele Gründer übersehen, wie weit die persönliche Haftung bei Einzelunternehmen und GbR reicht.
- Zu wenig Startkapital: Eine UG lässt sich mit 1 Euro gründen, doch für die Anlaufphase ist das oft zu knapp. Ein Polster von 1.000 bis 2.500 Euro ist realistischer.
- Ohne Beratung entscheiden: Die Rechtsformwahl hat steuerliche und rechtliche Folgen. Ein kurzer Termin bei Steuerberater oder Anwalt lohnt sich fast immer.
